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Ein Cover für einen Roman: Wie aus weniger wirklich mehr wird!

Ein Roman braucht eine gute Geschichte, klar. Er braucht aber auch ein gutes Buchcover. Schließlich ist es das Cover, das den Leser anspricht und ihn nach dem Buch greifen lässt.

Die Veröffentlichung meiner historischen Liebeskomödie „Von tadellosem Ruf“ steht kurz bevor. Nun muss dringend ein Buchcover her. Ich hatte mir dazu Folgendes überlegt:

  • Es soll auf die Zeit, in der Roman spielt, hinweisen
  • Es soll eine Geschichte erzählen
  • Es soll freundlich und heiter wirken
  • Es soll das Genre „Liebesroman“ verdeutlichen
  • Es soll den Titel „Von tadellosem Ruf“ konterkarikieren, denn im Roman wird sich herausstellen, dass keiner der Charaktere makellos ist

Mit Elan stürzte ich mich auf die Aufgabe, ein Cover zu entwerfen. Von Anfang an war klar, dass ich mit Silhouetten arbeiten möchte, denn diese sind elegant, können so arrangiert werden, dass sie eine Geschichte erzählen, und sie sind typisch für das 18. Jahrhundert.

Der erste Entwurf

Aus meiner Fotodatenbank suchte ich mir Elemente, die in meinem Roman eine Rolle spielen, heraus: Ein Liebespaar, eine Kutsche, ein Herrenhaus, ein Reiter im Jagdgalopp und eine Halskette. Ich wandelte sie per Bildbearbeitungsprogramm in verschiedenfarbige Silhouetten um, und arrangierte sie – so meinte ich zumindest –  zu einer Geschichte.
Als Hintergrund wählte ich ein helles Rosa. Ich hatte ja schließlich einen Liebesroman geschrieben.
Der erste Entwurf konnte sich doch sehen lassen – oder?

Glücklicherweise war eine Freundin so offen, mich auf einige Schwächen des Entwurfs hinzuweisen („Wird der Reiter von der Kutsche überfahren?“) und sie legte ein Veto gegen das Rosa ein. Zudem machte sie einen interessanten Vorschlag: „Vielleicht sähe es gut aus, wenn das Halsband einen Rahmen um das Pärchen bildet.“

Alles wird anderes

In meinem nächsten Entwurf gab es in der Tat einen Rahmen um das Pärchen. Es war allerdings nicht die Halskette, die diesen Rahmen bildete. Ich hatte in meiner Fotodatenbank eine schöne Aufnahme von einem Spiegel aus dem 18. Jahrhundert gefunden. Perfekt, um zu zeigen, dass der Roman in jener Zeit und in aristokratischem Umfeld spielt. Außerdem blieb mir so die Halskette als Element, um eine Geschichte zu erzählen.
Im neuen Entwurf steht das Pärchen in der Kette, um zu verdeutlichen, dass das Schmuckstück für beide eine Bedeutung hat. Von links greift wieder eine bedrohliche Hand nach dem Halsband. Wenn sie dieses Mal zugreift und die Halskette wegzieht, gerät das Liebespaar ins Taumeln und wird vielleicht sogar stürzen.
Pferd und Kutsche entfallen; das Bild würde sonst zu voll werden. Als Hintergrundfarbe wählte ich ein Grünblau anstelle des geschmähten Rosa.

Mit diesem Entwurf war ich zufrieden. Ich wollte aber trotzdem, dass ein Profi einen prüfenden Blick darauf wirft. Zum Glück ist die Freundin einer Freundin Grafikerin. Ich besuchte Saskia Kölliker in ihrem Studio in München.

Weniger ist mehr

Saskia nahm sich für mich Zeit und erarbeitete mit mir wichtige Verbesserungen. Ihr Motto: „Weniger ist mehr“. Das bedeutete:

  • Sie ließ die optischen Störungen im Hintergrund verschwinden
  • Sie reduzierte das  Übermaß an Ornamenten, die den Spiegel zieren
  • Sie löschte die farbigen Streifen unter dem Titel

Dann griff sie in die Trickkiste der Grafik-Software und

  • legte Schatten über die Diebeshand und den Spiegel,
  • schuf mit einem Farbverlauf in der Spiegelfläche einen Boden, auf dem das Pärchen zu stehen kommt,
  • passte die Schriftgröße und Farbe an, um eine optimale Einheit von Bild und Text zu schaffen

Aus ihrem Fundus an dekorativen Schriften durfte ich mir zudem die schönste aussuchen, um das Wort „tadellosem“ optimal zur Wirkung zu bringen.

Hier ist ein Zwischenstand nach einer Stunde Arbeit:

Sehr chic, deutlich ruhiger und klarer.

Der Hintergrund war unser nächstes Angriffsziel. Das ansich angenehme Grün wich einem Türkisblau, wie es im 18. Jahrhundert gerne für Wände und Decken verwendet wurde. Der Effekt war beeindruckend. Das Cover sieht nun frisch und heiter aus!

Zauberhaft! Dennoch wollte ich gern noch einen Wow-Effekt einbauen – ohne zu wissen, wie ich mir diesen konkret vorstellte.
Saskia hatte eine gute Idee: Wie wäre es mit einem Hintergrundbild in einer dunkleren Schattierung des Türkisblaus? In Frage kämen zum Beispiel ein Tapetenmuster aus dem 18. Jahrhundert, ein Herrenhaus oder vielleicht sogar eine Kutsche.

In meiner Datenbank fand ich einige passende Motive. Saskia arbeitete sie in das Cover ein und zeigte mir die verschiedenen Versionen. Ich entschied mich für diejenige mit eleganten Ornamenten (die tatsächlich zu einer Tapete in einem Herrenhaus in Derbyshire gehören).

Saskia hatte noch einen weiteren Wow-Effekte für mich entwickelt: Sie fügte die Silhouette des Pärchens auf den Buchrücken und über dem sehr elegant gesetzten Klappentext ein. Was für eine entzückende Idee!

So sieht das fertige Cover aus:

Fazit

Kein Vergleich zu vorher! Aus einer wüsten Ansammlung von Symbolen im Erstentwurf entwickelte sich ein klares, frisches und ansprechendes Design.
Für Layout-Laien lohnt es sich unbedingt, einen Grafik-Profi zu Rat zu ziehen. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit bringt gute Ideen und macht viel Spaß.

 

Über Saskia Köller

Saskia Kölliker absolvierte eine Grafikerlehre und ist seit 1996 als Grafikerin tätig. Seit 1999 übernimmt sie freie grafische Tätigkeit für verschiedene Agenturen sowie Auftragsarbeiten für eigene Kunden. Sie lebt und arbeitet in München. Sie konzipiert und gestaltet Broschüren, Zeitschriftenlayouts und Geschäftsausstattungen / Corporate Designs und ist darüber hinaus in den Bereichen Illustration und Webdesign tätig.

Website: http://www.koelliker-grafik.de

Hier kommen Sie zur Leseprobe. Der Roman ist über Buchläden und die gängigen Online-Shops erhältlich (ISBN: 9783744854313)

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